| Rückblick 2011
Die Weltwirtschaft und der Welthandel sind 2011 weniger stark gewachsen als noch Anfang des Jahres erwartet wurde. Dies resultierte im Wesentlichen aus der Schuldenkrise in Europa und den USA, den Auswirkungen des Erdbebens in Japan sowie dem deutlich gestiegenen Ölpreis. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge ist die Weltwirtschaft 2011 um 3,8 % (Vorjahr: + 5,2 %) und der Welthandel um 6,9 % gewachsen (Vorjahr: + 12,7 %).
Als Folge der weltweiten Konjunkturabkühlung war ab dem zweiten Quartal 2011 ein Rückgang der Containertransportvolumina zu verzeichnen. Die Auslastung der Linienreedereien, insbesondere zwischen Asien und Europa, hat sich deutlich verschlechtert. Insgesamt hat sich das globale Containertransportvolumen gemäß dem englischen Researchunternehmen Clarksons 2011 insgesamt dennoch um 8,1 % erhöht (Vorjahr: 12,6 %).
Die containertragende Flotte verzeichnete 2011 ein Wachstum von 7,3 %. Dies resultiert gemäß Alphaliner aus insgesamt 187 neu abgelieferten Containerschiffen mit einer Stellplatzkapazität von 1,23 Mio. TEU. Rund 50 % der abgelieferten Kapazität entfallen auf das Segment über 10.000 TEU. Im gleichen Zeitraum wurden insgesamt 70 Vollcontainerschiffe mit einer Transportkapazität von rund 85.000 TEU verschrottet.
Insbesondere die hohe Zahl der Neubauablieferungen im Segment über 10.000 TEU hat einen verschärften Wettbewerb zwischen den Linienreedereien ausgelöst. Diese Schiffe sind aufgrund ihres im Verhältnis zur Tragfähigkeit niedrigeren Treibstoffverbrauchs wirtschaftlicher als kleinere Containerschiffe, können jedoch zurzeit nur auf den Routen zwischen Asien und Europa eingesetzt werden. Im Kampf um Marktanteile und zur Verbesserung der Auslastung der Schiffe haben die Linienreedereien die Frachtraten für Containertransporte reduziert.
Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass fast alle Linienreedereien 2011 wieder deutliche Verluste erwirtschaftet haben.
Seit Mitte des Jahres 2011 wurden von Linienreedereien eingecharterte Schiffe vermehrt zurückgeliefert und eigene Tonnage zunehmend aufgelegt. Im ersten Halbjahr 2011 hatte sich die Zahl der beschäftigungslos aufliegenden Containerschiffe zunächst auf nur noch etwa 60 Schiffe (75.000 TEU) reduziert. Bis Ende 2011 hat sich die weltweit aufliegende Containerschiffstonnage wieder deutlich auf etwa 246 Schiffe (595.000 TEU; etwa 3,9 % der Kapazität) erhöht.
Die vorab beschriebenen Marktparameter haben sich entsprechend auf die Chartermärkte ausgewirkt. Bis zum Sommer 2011 hat sich die 2010 begonnene positive Entwicklung der Chartermärkte fortgesetzt, die Charterraten konnten im Schnitt um etwa 19 % zulegen.
Im zweiten Halbjahr 2011 sind die Charterraten jedoch wieder um etwa 50 % im Schnitt eingebrochen. Insgesamt hat der HARPEX, der die weltweite Preisentwicklung am Chartermarkt für Schiffe abbildet, 2011 um 44 % nachgegeben. Ende Dezember 2011 wurde ein Indexwert von 389 Punkten ausgewiesen.
Die Entwicklung der Charterraten ist in den Größensegmenten unterschiedlich ausgefallen. Insbesondere die Charterraten für Containerschiffe zwischen 3.000 und 4.500 TEU haben früher und stärker nachgegeben als die für kleinere Containerschiffe. Diese "Panamax"-Schiffsgrößen sind besonders durch den zunehmenden Einsatz der Containerschiffsriesen mit über 10.000 TEU und den dadurch ausgelösten Kaskadeneffekt betroffen.
Ausblick 2012
Für 2012 wird derzeit von einem deutlich gebremsten Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung ausgegangen. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert ein Wachstum der Weltwirtschaft 2012 von 3,3 %. Der Welthandel wird voraussichtlich 2012 um 3,8 % zunehmen.
Das globale Containertransportvolumen wird 2012 gemäß der aktuellen Prognose des englischen Researchunternehmens Clarksons um 8,2 % zunehmen. Insgesamt 602 Mio. TEU sollen demnach 2012 umgeschlagen werden, etwa 57 % davon in Asien.
Dem gegenüber steht jedoch eine unverändert hohe Anzahl von geplanten Neubauablieferungen. In Auftrag gegeben wurden vor allem große und sehr große Containerschiffe mit Stellplatz-kapazitäten über 7.500 TEU. Etwa 72 % der bestellten Tonnage entfallen auf dieses Segment.
Im Jahr 2012 sollen voraussichtlich 253 Containerschiffe mit einer Kapazität von 1,47 Mio. TEU abgeliefert werden. Insgesamt prognostiziert Clarksons für 2012 unter Berücksichtigung der erwarteten Verschrottung von Alttonnage und Verschiebungen von Neubauablieferungen ein Wachstum der containertragenden Flotte von 7,6 %.
Damit bleibt die Lage am Containermarkt voraussichtlich weiterhin angespannt. Bislang erfolgreich eingesetzte Instrumente zur Regulierung der Transportüberkapazitäten, wie die Drosselung der Geschwindigkeit ("Super-Slow-Steaming" und "Slow-Steaming"), sind weitgehend ausgereizt und werden das Überangebot an Tonnage kaum reduzieren können.
Mittlerweile veranlassen die geringen Frachterlöse und zum Teil schlechte Auslastung immer mehr Linienreedereien zu kooperieren. Die Partner bündeln dabei die jeweiligen Ladungsmengen auf möglichst großen Schiffen und reduzieren damit die Kosten pro Container. Dies führt zu weiteren Überkapazitäten bei den Linienreedereien und zur Rücklieferung bzw. zum Auflegen von Containerschiffen.
Die Anzahl der aufliegenden Containerschiffe hat sich seit Jahresbeginn weiter erhöht. Mitte Januar lagen weltweit 268 Containerschiffe mit insgesamt etwa 676.000 TEU beschäftigungslos auf, entsprechend 4,4 % der weltweiten Kapazität.
Mit dem anhaltenden verschärften Wettbewerb der Linienreedereien und den erwarteten Neubauablieferungen sind kurzfristig keine auskömmlichen Charterraten zu erwarten. Der gewichtete Charterratenindex des Befrachtungsmaklers Harper Petersen (HARPEX) lag Anfang Februar 2012 bei nur 390 Punkten.
Derzeit wird für 2012 bestenfalls von einer seitlichen Entwicklung der Charterraten ausgegangen. Nahezu alle Marktteilnehmer rechnen derzeit nicht vor 2013 mit einer deutlichen Verbesserung der Marktbedingungen für Containerschiffe.
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